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Evolutionstage

Schöpfung und Evolution - ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt an der Evangelischen Schule Frohnau

Seit 1993 findet an unserer Schule vor den großen Ferien das sogenannte Evolutionsprojekt statt. Vier Tage lang widmen sich die Schüler des 2. Kurshalbjahrs und einige Lehrer aus den Fachbereichen Naturwissenschaften und Religion den unterschiedlichen Aspekten, die mit dem Thema zu tun haben: biblische Schöpfungslehre, Darwinismus, Urknall-Theorie, chemische Evolution etc. Diese Vielfalt wurde inzwischen sogar noch durch den künstlerischen Bereich erweitert: die Schüler malten unter Anleitung eines Kunst-Kollegen Bilder vom "Anfang" oder "Ende" der Welt. Eine beeindruckende Kollektion kam dabei zustande!

Ein Grundanliegen des Evolutionsprojekts ist es, am Beispiel der Schöpfung - was immer man auch darunter verstehen mag - verschiedene Wissenschaften und ihre Betrachtungsweisen zusammenzuführen: Die Physik und die Astronomie beschäftigen sich mit den Zusammenhängen von Raum und Zeit. Mit Hilfe der Thermodynamik lassen sich Aussagen darüber machen, welchen Tendenzen ("Zielen") das materielle Geschehen der Welt folgt. Die Chemiker zeigen, unter Einbeziehung von Schülerexperimenten, wie sich aus einfachen Molekülen komplizierte Verbindungen bilden können. Die Biologen thematisieren Theorien der Entstehung und Weiterentwicklung des Lebens. Die Stellung des Menschen in der Schöpfung und zur Schöpfung wird - nicht nur im Fach Religion - ebenfalls angesprochen. Die Schüler diskutieren z.B., inwieweit aus dem uns Menschen gegebenen Bewusstsein die Fähigkeit zu freier Entscheidung hervorgeht und ob sich daraus wiederum eine Mitverantwortung für die Schöpfung im Sinne ihrer Bewahrung ableiten lässt.

 

Ablauf

Physik:

Der 'Urknall' führt in die naturwissenschaftliche Betrachtung des Schöpfungsgeschehens. Es hat sich dabei als sehr hilfreich erwiesen, von vornherein eine klare Abgrenzung der Kompetenzen vorzunehmen: Die Naturwissenschaft kann und darf aufgrund ihrer Methodik und ihres Untersuchungsgegenstandes grundsätzlich keine Glaubensaussagen treffen, sondern ausschließlich naturwissenschaftliche Antworten geben (bzw. feststellen, dass bestimmte Phänomene nach dem derzeitigen Forschungsstand noch nicht erklärbar sind. Dann bleibt es vorerst bei der Hypothesenbildung). Von der Theologie wird im Hinblick auf naturwissenschaftliche Aussagen die gleiche Zurückhaltung angemahnt. Der Staffelstab wird vom Physiklehrer an seinen Chemiekollegen weitergegeben, sobald die Entstehung der ersten Sonnensysteme mit festen Planeten physikalisch erklärt ist.

Chemie:

Im Block "Chemische Evolution" steht zunächst einmal der MILLER-Versuch im Vordergrund, d.h. das historische Experiment, mit dem vor etwa fünfzig Jahren chemische Umsetzungen unter den angenommenen Bedingungen der Ur-Atmosphäre simuliert worden sind. Das Ergebnis war seinerzeit eine Sensation: aus einfachen Molekülen entstanden organische Moleküle höherer Komplexität, die teilweise auch die Bausteine unseres heutigen Lebens sind. Nun sehen viele Schüler schon den Faust'schen Homunculus aus der Retorte steigen - was sich jedoch schnell als voreilig erweist. Leben ist mehr als der zusammengemixte Inhalt eines Chemikalienschrankes! Die Wahrscheinlichkeiten der Entstehung von Leben aufgrund materieller Wechselwirkungen scheinen so gering zu sein, dass der große "Wurf" möglicherweise im Universum die große Ausnahme und nicht etwa die Regel gewesen ist. Spätestens hier - mit dem Beginn des Lebens, dessen Entstehung naturwissenschaftlich ungeklärt ist - endet per Definitionem die chemische Evolution und die biologische beginnt.

Biologie:

Da alle Schüler zur Evolutionstheorie aus der Mittelstufe Grundkenntnisse mitbringen, spielt dieses Thema - anders, als man vielleicht erwarten würde - bei den Evolutionstagen keine zentrale Rolle. Die dadurch gewonnene Zeit kann umso besser genutzt werden für die Beschäftigung mit Grenzfragen, z.B. den Thesen von Prof. Ditfurth ("Wie der Geist auf die Welt kam" - lässt sich etwa die Entstehung von 'Geist', Bewusstsein, religiösen Vorstellungen noch mit der klassischen Evolutionstheorie deuten?). Kann man dem vielfältigen Evolutionsgeschehen überhaupt ein Ziel zuordnen? Damit nähert man sich dem Themenbereich an, der von den Religionskollegen gestaltet wird.

Religion:

Wo finden wir Gott? Ist er etwa eine Art Lückenbüßer, der immer an den Stellen platziert wird (z.B. Entstehung des Lebens), die für uns momentan noch nicht naturwissenschaftlich erklärbar sind? Führt ein solches Gottesbild nicht dazu, dass er mit steigendem Wissensfortschritt immer mehr Terrain aufgeben muss und die Wissenschaft an seine Stelle tritt? In den zahlreichen Gesprächen, die mit unserer Veranstaltung verbunden sind, fällt auf, dass gerade Eltern und Schüler mit einem wörtlichen Schöpfungsverständnis zäh an der Rolle des 'göttlichen Handwerkers' festhalten, der aus Lehm Leben macht. Andere Gesprächspositionen sind eher neutestamentlich geprägt und suchen Gott mitten unter uns, bei den 'geringsten' Brüdern und Schwestern. Diese unterschiedlichen Auffassungen sollen an dieser Stelle nicht etwa gewertet, sondern nur erwähnt werden um anzudeuten, wie fruchtbar es sein kann, wenn man Jugendliche und Erwachsene durch Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen anregt, über ihr Bild von der Welt neu nachzudenken. Übrigens liefert der Aufsatz "Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie" von Josef Ratzinger sehr fruchtbare und undogmatische Ideen zu dieser Reflexion.

Sicher ist die Einsicht nicht nur für die meisten Schüler neu, dass die Schöpfung kein abgeschlossener Vorgang aus grauer Vorzeit ist, sondern dass sie Tag für Tag weitergeht und wir in ihr und nicht etwa nach ihr leben. Nachdem sich in der rein biologischen Evolution des Menschen in den letzten 40000 Jahren keine gravierenden Veränderungen mehr ergeben haben, lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung der biblischen Botschaft für die geistig-kulturelle Evolution der Menschheit - selbstverständlich immer im Sinne eines Denk-Anstosses und nicht etwa eines Dogmas. Die biblischen Gebote entmachten das DARWINsche 'Survival of the Fittest', hinter dem im menschlichen Denken möglicherweise die Angst steht, der Konkurrenz zu unterliegen, wenn man nicht ausschließlich die eigenen Interessen verfolgt: 'Wenn Du den Mantel eines anderen zum Pfand nimmst, so sollst Du ihm denselben zurückgeben, ehe die Sonne untergeht... Worauf sollte er sonst schlafen?' Mit diesen und anderen Geboten weist die Bibel einen Weg zur Ãœberwindung des DARWINschen Ausleseprinzips, das zu unserem biologischen Erbe gehört. "Das Ziel der Evolution der Menschheit kann nicht stehen bleiben beim biologischen 'Überleben', sondern muss 'Leben' heißen im Sinne von 'gutes Leben'..."